Der Abend vor der Matheprüfung. Das Lehrbuch liegt aufgeschlagen auf dem Schreibtisch, daneben ein halbleerer Textmarker und eine angebissene Schokolade. Alles scheint irgendwie wichtig, aber nichts bleibt wirklich hängen. — Kommt Ihnen das bekannt vor?
Ich unterrichte seit 13 Jahren auf der Sekundarstufe 1 und 2 in der Schweiz und habe dieses Bild in unzähligen Variationen erlebt. Von Schülerinnen und Schülern, die sich die halbe Nacht durch den Stoff quälen, bis hin zu jenen, die vor lauter Überforderung gar nicht erst anfangen. Das Frustrierende daran: Die meisten dieser Jugendlichen sind nicht zu wenig intelligent. Sie haben schlicht nie gelernt, *wie* man effektiv lernt.
Genau darum geht es in diesem Beitrag. Ich teile sieben Strategien zur Prüfungsvorbereitung, die ich in der Schweiz im Schulalltag erprobt habe; mit echten Beispielen, konkreten Tipps und einer ehrlichen Einschätzung, wann professionelle Unterstützung sinnvoll wird. Ob Sie als Eltern Ihr Kind unterstützen möchten oder ob du als Schülerin oder Schüler selbst besser lernen willst: Dieser Artikel ist für euch.
Warum gute Prüfungsvorbereitung mehr ist als «einfach lernen»
Viele Schülerinnen und Schüler in der Schweiz setzen Lernen mit Lesen gleich. Sie lesen die Zusammenfassung durch, überfliegen die Notizen und glauben, damit vorbereitet zu sein. Im Kopf entsteht ein Gefühl von Vertrautheit: «das kenne ich ja», das leider oft mit echtem Verstehen verwechselt wird.
Effektive Prüfungsvorbereitung in der Schweiz bedeutet, den Stoff aktiv zu verarbeiten, ihn in eigenen Worten wiederzugeben und unter prüfungsähnlichen Bedingungen anzuwenden. Klingt aufwändiger? Ist es anfangs. Aber es spart letztlich Zeit und bringt bessere Noten.
Die 7 bewährten Lernstrategien für Schweizer Schülerinnen und Schüler
Strategie 1: Frühzeitig beginnen mit dem Lernplan als Fundament
Klingt banal, ist aber der grösste Hebel. In meiner Erfahrung beginnen die meisten Sek-Schülerinnen und -Schüler zwei bis drei Tage vor der Prüfung mit dem Lernen. Das reicht bei einem kleineren Vokabeltest, aber nicht bei einer Französisch-Grammatikprüfung oder einer Mathearbeit über drei Kapitel.
- Mein Tipp: Sobald der Prüfungstermin bekannt ist, rückwärts planen. Ich empfehle einen einfachen Wochenplan: Welche Themen muss ich abdecken? Wie viele Tage bleiben? Welche Tage sind durch Sport, Musik oder andere Verpflichtungen blockiert? So entsteht ein realistischer Lernplan und das Gefühl der Kontrolle, das gerade in stressigen Phasen Gold wert ist.
Strategie 2: Stoff in kleine Häppchen aufteilen (Chunking)
Unser Gehirn kann neue Informationen besser verarbeiten, wenn sie in überschaubare Einheiten aufgeteilt werden. Statt an einem Nachmittag «alles über die Französische Revolution» zu lernen, teilt man den Stoff auf: Montag die Ursachen, Dienstag die Phasen, Mittwoch die Folgen.
Ein Beispiel aus meinem Unterricht: Eine Schülerin in der zweiten Sek hatte in Geschichte regelmässig ungenügende Noten. Nicht, weil sie den Stoff nicht verstand, sondern weil sie versuchte, alles am Vorabend in den Kopf zu pressen. Als sie begann, den Stoff in drei Lernblöcke über eine Woche zu verteilen, stieg ihr Schnitt innerhalb eines Semesters von 3.8 auf 4.7. Keine Magie, nur Struktur.
Strategie 3: Aktives Abrufen statt passives Durchlesen
Dies ist vielleicht die wichtigste aller Lernstrategien für Schüler in der Schweiz – und die am häufigsten ignorierte. Aktives Abrufen (Retrieval Practice) bedeutet: das Buch schliessen und sich selbst abfragen. Karteikarten nutzen. Eine Übungsaufgabe lösen, ohne ins Lösungsheft zu schauen.
Warum funktioniert das so gut? Jedes Mal, wenn wir aktiv versuchen, etwas aus dem Gedächtnis abzurufen, stärken wir die neuronale Verbindung zu diesem Wissen. Passives Lesen tut das nicht.
- Konkreter Tipp für den Alltag: Nach jeder Lerneinheit das Heft zuklappen und auf einem leeren Blatt aufschreiben, was man behalten hat. Die Lücken, die sichtbar werden, zeigen genau, wo man nochmals ansetzen muss.
Strategie 4: Erklären, um zu verstehen – die Feynman-Methode
Der Physiker Richard Feynman sagte sinngemäss: «Wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht wirklich verstanden.» Diese Methode nutze ich regelmässig im Unterricht und empfehle sie allen, die besser lernen wollen.
So funktioniert’s: Nimm ein Thema, zum Beispiel den Dreisatz, und erkläre es laut, als würdest du es einem jüngeren Geschwisterkind beibringen. Kein Fachjargon, nur eigene Worte. Dort, wo du ins Stocken gerätst, liegt die Verständnislücke.
Ich habe das einmal mit einer dritten Sek-Klasse vor der Abschlussprüfung ausprobiert: Die Schülerinnen und Schüler erklärten sich gegenseitig Themen aus der Mathematik-Nachhilfe, die wir gemeinsam erarbeitet hatten. Die Ergebnisse in der darauffolgenden Prüfung waren die besten des Schuljahres. Nicht, weil ich besonders gut unterrichtet hatte, sondern weil sie durch das Erklären den Stoff wirklich durchdrungen hatten.
Strategie 5: Übungsprüfungen unter realen Bedingungen
Dieser Punkt wird in der Prüfungsvorbereitung in der Schweiz massiv unterschätzt. Es macht einen enormen Unterschied, ob man Aufgaben gemütlich am Schreibtisch mit offenem Buch löst, oder ob man sich 45 Minuten hinsetzt, das Handy weglegt und eine Übungsprüfung unter Zeitdruck schreibt.
Warum? Weil die Prüfungssituation selbst ein Stressfaktor ist. Wer diesen Stress vorher simuliert, reagiert am Prüfungstag gelassener. Das Gehirn kennt die Situation bereits, es gibt weniger böse Überraschungen.
- Mein Vorschlag: Falls keine alten Prüfungen verfügbar sind, können Eltern oder Lernpartner aus dem Lehrmittel Aufgaben zusammenstellen. Stoppuhr stellen, loslegen, danach ehrlich korrigieren.
Strategie 6: Pausen sind Teil des Lernens – nicht das Gegenteil davon
Hier erlebe ich bei Eltern oft Stirnrunzeln: «Mein Sohn macht schon wieder Pause, dabei hat er gerade erst angefangen!» Ich verstehe die Sorge. Aber die Forschung ist eindeutig: Unser Gehirn braucht Pausen, um Gelerntes zu konsolidieren.
Die Pomodoro-Technik hat sich in meiner Arbeit als Nachhilfe- und Prüfungsvorbereitungs-Unterstützung vielfach bewährt: 25 Minuten fokussiert lernen, 5 Minuten Pause. Nach vier Durchgängen eine längere Pause von 15 bis 20 Minuten. Das klingt simpel, und genau das ist der Punkt. Es funktioniert, weil es realistisch und durchhaltbar ist.
Gerade Schülerinnen und Schüler, die unter Prüfungsangst leiden, profitieren enorm davon. Die klar definierten Intervalle nehmen das Gefühl der Endlosigkeit aus dem Lernprozess.
Strategie 7: Den eigenen Lerntyp kennen – aber nicht überbewerten
Es kursiert die Idee, dass man «visuell», «auditiv» oder «kinästhetisch» lernt und seine Methoden danach ausrichten sollte. Ganz so einfach ist es nicht, die wissenschaftliche Evidenz für starre Lerntypen ist dünn. Was aber stimmt: Abwechslung hilft. Wer denselben Stoff auf verschiedene Arten bearbeitet (lesen, aufschreiben, laut erklären, als Mindmap skizzieren) verankert ihn tiefer.
Ich ermutige meine Schülerinnen und Schüler deshalb, verschiedene Methoden auszuprobieren und ehrlich zu reflektieren, was bei ihnen funktioniert. Diese Selbstreflexion ist eine Schlüsselkompetenz, die weit über die nächste Prüfung hinaus geht.
Eine Geschichte aus meinem Unterrichtsalltag
Letztes Jahr arbeitete ich mit Luca (Name geändert), einem Schüler der ersten Klasse am Gymnasium. Er war intelligent, sprachgewandt, interessiert und trotzdem landeten seine Noten regelmässig im Bereich 3.5 bis 4.0. Seine Eltern waren ratlos. Luca selbst sagte mir beim ersten Treffen: «Ich lerne ja, aber es bringt nichts.»
Als wir uns gemeinsam anschauten, *wie* er lernte, wurde das Problem schnell sichtbar: Luca las seine Zusammenfassungen immer wieder durch. Passiv, ohne Selbsttests, ohne Zeitstruktur, oft mit laufendem YouTube im Hintergrund. Er investierte Zeit, aber nicht die richtige Art von Anstrengung.
Wir erarbeiteten zusammen einen Lernplan, führten aktive Abrufübungen ein und simulierten eine Biologieprüfung unter Echtbedingungen. Die nächste Note: 5.2. Nicht, weil Luca plötzlich schlauer war, sondern weil er endlich die richtigen Werkzeuge hatte.
Genau solche Momente bestätigen mir nach 13 Jahren im Beruf: Es sind selten die Fähigkeiten, die fehlen. Es sind die Lernstrategien.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll wird
Nicht jede Lernschwierigkeit lässt sich mit Tipps aus einem Blogbeitrag lösen, so ehrlich möchte ich sein. Manchmal sitzen die Lücken tiefer: Grundlagen in Mathematik fehlen seit der Primarschule, das Selbstvertrauen ist nach einer Serie schlechter Noten am Boden, oder die Prüfungsangst blockiert trotz guter Vorbereitung.
In solchen Fällen kann professionelle Nachhilfe zur Prüfungsvorbereitung einen entscheidenden Unterschied machen. Nicht als Ersatz für eigenes Lernen, sondern als gezielte Begleitung: Lücken identifizieren, Strategien individuell anpassen, Selbstvertrauen aufbauen und jemanden an der Seite haben, der den Weg kennt.
Nächster Schritt: Gemeinsam herausfinden, was Ihr Kind braucht
Wenn Sie als Eltern merken, dass Ihr Kind trotz Einsatz nicht weiterkommt oder wenn du als Schülerin oder Schüler das Gefühl hast, dass du besser lernen könntest, aber nicht weisst wie, dann lade ich euch herzlich zu einem kostenlosen Erstgespräch bei Dein Lerncoach ein.
In diesem unverbindlichen Gespräch schauen wir gemeinsam hin: Wo steht Ihr Kind? Welche Lücken bestehen? Und welche Unterstützung wäre wirklich sinnvoll. Ob Lerncoaching, gezielte Nachhilfe oder eine strukturierte Prüfungsvorbereitung.
Denn besser lernen kann man lernen. Manchmal braucht es nur den richtigen Anstoss.

